Nein zur Volxbibel - http://volxbibel.erweckungs.net
TOPIC schreibt
Geschrieben von Administrator am 17. April 2006 000000m 19:45 in der Kategorie Gegenstimmen
Volxbibel: Evangelikale Mediengruppe bringt frevelhaftes Werk an den Markt
Schlimmer konnte es gar nicht kommen: Die größte evangelikale Mediengruppe in Deutschland, die Stiftung Christlicher Medien (SCM/ Witten), stellt sich voll hinter die Volxbibel und wird sie ab Dezember 2005 vertreiben. Dies bestätigte der Gesamtvertriebsleiter der SCM, Winfried Kuhn, auf der Frankfurter Buchmesse gegenüber TOPIC. Zur SCM gehören der Bundes Verlag, der R. Brockhaus Verlag, der ERF-Verlag, der Hänssler-Verlag, der Oncken-Verlag. Vorsitzender der SCM ist der hessische Unternehmer Friedhelm Loh.
Die Volxbibel sollte zunächst im R. Brockhaus Verlag erscheinen, wurde dann aber aufgrund von Protesten zurückgezogen (s. TOPIC 9/05). Nun erscheint sie in einem eigens für dieses Projekt gegründeten Verlag, dem Volxbibel-Verlag, und wird unter dem Dach der SCM vermarktet. Dieser Schachzug ist clever, da jetzt keiner der bekannten SCM-Verlage für die Volxbibel offiziell verantwortlich zeichnen muss. Gleichwohl stützen alle SCM-Verlage über den Zusammenschluss in der SCM die Veröffentlichung. Das „IC-Medienhaus” am Sitz des Hänssler-Verlages in Holzgerlingen - es ist auch ein Unternehmen der SCM - wird z. B. die zentrale Auslieferung der Volxbibel vornehmen.
Die Volxbibel ist die Übertragung des Neuen Testamentes in schnodderige Jugendsprache. Der ehemalige Leiter der Jesus Freaks, Martin Dreyer, behauptet, von Gott selbst zu diesem Projekt beauftragt worden zu sein. In einem Gottesdienst habe ein Prediger mit prophetischer Gabe ihm auf den Kopf zugesagt: „Du bist ein neuer Matthäus, der das Evangelium in die Sprache der jungen Leute übersetzen soll.” Das habe er dann getan. Was dabei herausgekommen ist, liest sich bei der „Speisung der Fünftausend” (Maffh. 14,14-21) beispielsweise so: „Abends kamen dann seine Leute zu ihm und meinten: ,Hey, Jesus, ganz schön spät geworden! Außerdem ist auch gar nichts los hier. Lass doch die Menschen gehen, damit sie sich bei McDonalds was zu essen holen können!’ Jesus sagte dazu nur: Nein, das ist jetzt überhaupt nicht angesagt. Ihr könnt ihnen auch etwas zu essen machen!’ Aber wir haben gerade mal fünf Brötchen und zwei Frikadellen am Start!’, meinten die Schüler zu ihm. ,Das reicht nie und nimmer!’ ,Locker bleiben, her damit!’ sagte er. Pflanzt euch einfach auf die Wiese’, sagte Jesus zu den Leuten. Dann nahm er die zwei Frikadellen und die fünf Brötchen, sprach ein Tischgebet zu Gott und verteilte die Teile. Und das Unglaubliche passierte: Es reichte dicke und alle waren nach dem Essen pappsatt.”
Dreyer scheint es McDonalds sehr angetan zu haben. In der Geschichte vom Verlorenen Sohn (Lukas 15, 11 -32) landet dieser nicht am Schweinetrog, sondern als Toilettenmann - wieder bei McDonalds. Auch ansonsten schert sich Dreyer wenig um den Originaltext der Bibel. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird der Überfallene von Asozialen mit Baseballschlägern verkloppt, das Passahmahl wird locker zur Passahparty, in der Zachäus-Geschichte taucht ein lächelnder Jesus auf, der in anderen Zusammenhängen auch mal „geil” sagt. Das Vaterunser beginnt mit „Hey, unser Papa da oben!” Selbst Originalzitate von Jesus formuliert Dreyer respektlos um: „Wie ist das mit einem guten Vater, würde er seinem Sohn einen Regenwurm anbieten, wenn er einen Lolly möchte. Oder wenn das Kind ein Überraschungsei möchte, würde er ihm dann Mottenkugeln andrehen? Niemals!” (Matth. 7, ab Vers 9)
Neben der gedruckten Form der Volxbibel wird es auch eine Internet-Version geben, an der jeder, der Lust hat, mit übersetzen darf. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des Volxbibel-Verlages: „Die Volxbibel würde so das erste Buch der Welt werden, an dem Welt mitschreiben und mitgestalten kann! Eine Bibel für das Volk’ vom ,Volk’, geschrieben von Fachleuten wie auch Laien.” Dreyer und seine Mitstreiter hoffen so, jede vier Jahre eine neue Volxbibel in verändertem Jugend-Slang herausbringen zu können.
Wie Winfried Kuhn von der SCM gegenüber TOPIC erklärte, hoffe man, mit der Volxbibel eine gewisse Unterschicht bei den jungen Leuten anzusprechen, die von den etablierten Evangelikalen nur noch schwer erreicht würde. Kuhn: „Die sprechen unsere Sprache nicht mehr, aber auch sie brauchen Jesus Christus!” Aber ob das einen Bibeltext rechtfertigt, in dem geschichtliche Zuverlässigkeit völlig auf den Kopf gestellt wird, Begriffe wie „Boah”, „Hey” oder „verarscht” quasi in Serie vorkommen? Das Argument, dass man nur noch mit dieser Slang-Bibel ganz bestimmte Jugendliche erreichen könne, ist sehr zu hinterfragen. Selbst weltliche Medien, wie etwa die Jugendzeitschrift Bravo, benutzen einen solchen schnodderigen Sprachstil kaum.
Warum die Volxbibel keine Lappalie ist
Christen leben vom Hören auf Gottes Wort (Matth. 4,4). Was Gott sagt, hat für sie absoluten Vorrang vor all dem, was Menschen sagen (Apg. 4,19). Jesus hat sich in Anfechtungen auf die heiligen Schriften berufen. Aus dem Respekt vor dem geschriebenen Gotteswort waren die Reformatoren in der Lage, das Evangelium von der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben gegenüber der mächtigen römischen Kirche auf den Leuchter zu stellen. Der Respekt vor dem Wort Gottes gab ihnen die Kraft und die Orientierung. Die Volxbibel zerstört diesen Respekt, weil sie die Worte Gottes verballhornt. Respektlosigkeit vor der Bibel ist Respektlosigkeit vor Gott selbst.
Vom Anfang bis zum Ende der Bibel (5. Mose 4,2; Sprüche 30,5 und 6; Offb. 22,18 und 19) finden sich ernste Warnungen vor einem Verändern des Bibeltextes. Jeder, der sich an Gottes Wort frevelhaft zu schaffen macht, muss mit einem Gottesgericht rechnen.
© Topic - Nr. 11/ 2005 - Ulrich Skambraks
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